Die große Angst vor den Robotern

Ich werde von einer Maschine ersetzt. Oder zumindest sagen mir das die Medien. Wir protestieren und hinterfragen nicht, denn es wird sowieso passieren: Die Übernahme der Roboter. “Wie uns Computer und Roboter die Arbeit wegnehmen”, schrieb der Spiegel im vergangenen September. “The robots take over!“, stand schon 2013 in The Wired. Zwei Beispiele der vielen Überschriften die von Titelseiten nach Sensation und Aufruhr schreien. Die großen bösen Worte Digitalisierung und Automatisierung sind überall zu lesen und am liebsten in Kombination mit Großbuchstaben und vielen Rufzeichen.

Aus unserer Sicht ist die durch derartige Meldungen geschürte Existenzangst fehl am Platz. Vor allem in der Industrie, wo ständig vor großflächigen Jobverlust-Wellen gewarnt wird, widersetzen wir uns dem pessimistischen Zugang. Nicht nur das: wir sind durch und durch Optimisten.


Nicht besser, nur anders

Fakt ist, dass es Aufgaben gibt, die mit Hilfe von Maschinen schneller und einheitlicher erledigt werden können. Sie vergessen nichts und können in kürzester Zeit ohne Schwierigkeiten jede Berechnung durchführen. Automatisiert passieren auf diese Weise weniger Fehler, manuelle Tätigkeiten können schneller fertiggestellt werden und lähmende Organisationsaufgaben nehmen nicht mehr den Großteil eines Arbeitstages ein.

Gleichzeitig ist jedoch nicht abzustreiten, dass Menschen Fähigkeiten haben, die niemals durch Technologie automatisiert werden können. Die langjährige Erfahrung des Konstrukteurs im Kundenkontakt. Die intuitive Prioritätensetzung des Servicetechnikers in Stress Situationen. Das logistische Problemlösungs-Denken der Koordinatorin. Subjektivität, Kreativität und die Möglichkeit aus dem Bauch heraus zu entscheiden macht den Mensch unersetzlich.


Alle für einen und einer für alle

Die Vorteile, die der Einsatz von Technologie bringt, lassen sich nicht abstreiten. Sollten sie auch nicht – nur weil etwas Neues eingeführt worden ist, wird das Alte dadurch nicht gleich ersetzt. Das Stichwort lautet Koexistenz. Der Einsatz einer Maschine kann und muss dazu dienen, dem Techniker jene zeitaufwendigen Aufgaben abzunehmen, die ihn von wichtigen Entscheidungen und Projekten abhalten. Zum Beispiel kann automatisiert nach Plänen gesucht, Teilbestellungen verwaltet oder Checklisten generiert werden. Durch digitale Dokumentation können neue Mitarbeiter schneller und einfacher von erfahrenen Fachkräften lernen und sind nicht von deren Anwesenheit oder mühsamen Kommunikationswegen abhängig.

Ja, der Arbeitsalltag wird sich verändern. Doch wir sagen: zum Besseren. Digitale Produkte müssen an die Bedürfnisse der Arbeiterschaft angepasst werden. Wenn das richtig gemacht wird, kann jeder Einzelne aus dieser Entwicklung profitieren. Der Fokus wird somit auf die individuellen Fachkenntnisse gelegt, Produktivität, Auftragsabwicklung und spezialisierte Qualifikationen können in den Vordergrund gerückt werden.

Angstmacherei ist unserer Meinung nach unbegründet und unangebracht. Vor allem wenn man bedenkt, dass die gleichen Prophezeiungen schon seit fast 40 Jahren gemacht werden. Lieber Vorreiter statt Nachzügler sein und die neuen Chancen nutzen!


Spiegel Coverbild - Roboter
Spiegel Coverbild - Roboter


© Julia Neuhold von Tablet Solutions